Kirchenführung durch unsere St. Wolfgang und Wendelinkapelle

Geschichte

Die Existenz einer Vorläuferkirche ist durch archäologische Befunde unter dem Kirchenboden der St. Wolfang- und Wendelinkapelle gesichert. Die sporadischen Aufschlüsse erlauben einen ungefähren Zeitansatz für das 9./10. Jahrhundert.
Im 11. oder 12. Jahrhundert wurde dann neben der längst installierten Pfarrkirche eine Kapelle für die Bevölkerung des Unteren Dorfes erbaut. Diese könnte bis zum Bau der ca. 1520 errichteten spätgotischen Wolfgangskapelle kontinuierlich weiterbestanden haben.
Im Chorbogen der heutigen St. Wolfgang- und Wendelinkapelle erscheint die Zahl 1523 neben anderen Datierungen, die auf Renovierungsdaten 1680, 1728 und 1901 hinweisen.
 Die Kapelle wurde schon 1534, wohl beeinflusst von den Wirren der Reformationszeit, profaniert und als Holzlege benutzt. Erst 1596 wurde der Bau wieder seiner ursprünglichen Bedeutung zugeführt. 1680 wurde die Kapelle barockisiert. 1693 sind zwei große Gemälde im Chor entstanden. Sie zeigen die Kirchenpatrone Wolfgang und Wendelin mit Szenen aus ihrem Leben.
Die spätgotische Kapelle mit barockem Dachreiter liegt auf einem kleinen Hügel und bildete das Zentrum des Unteren Dorfes mit Schmiede, Gaststätte und Bauernhäusern. Der Charakter der Kapelle spiegelt ein würdiges Zeugnis bäuerlicher Kultur. Ständige Renovierungsarbeiten - zuletzt 1936, 1991 und 2014 - zeigen die großen Bemühungen um die Erhaltung der für das Untere Dorf so wichtigen Kapelle und führten zur heutigen Gestaltung. Seit der Renovierung von 
1991 ziert nun - nach altem Vorbild - auch wieder eine Sonnenuhr die Südfassade.

Altar St. Wendelin

Hochaltar


Der Flügelaltar, bei der umfassenden Restaurierung 1936 von Hans Schorer erstellt, folgte dem nach Scherstetten 
verkauften Barockaltar von 1680. Im heutigen Hochaltar der Kapelle sind im Mittelschrein St. Wendelin und – ihm zu linker und rechter Seite – der Hl. Sebastian und Hl. Rochus dargestellt. Die Flügel des Hochaltars zeigen Reliefs zur 
Weihnachtsgeschichte.
  
Rechter und linker Seitenaltar


Die Seitenaltäre entstanden 1683, deren Mittelnischen wohl damals schon Skulpturen enthielten. Die Josephfigur im rechten Seitenaltar dürfte die originale Ausstattung darstellen. Die ursprünglich im linken Seitenaltar befindliche Figur ist verlorengegangen und spätestens im 19. Jahrhundert ersetzt worden. Bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts stand hier nämlich eine im Stil der Nazarener gestaltete Figur der „Immaculata“, die dann gegen die heutige ausgetauscht wurde. In den oberen Aufbauten der Seitenaltäre sind noch original zugehörige Gemälde erhalten.
 
Kreuzwegdarstellung


Der Kreuzweg der St. Wolfgang- und Wendelin-Kapelle ist von besonderer Art, nämlich als Folge graziöser kolorierter Kupferstichblätter von der Hand des berühmten Augsburgers Gottfried Bernhard Göz (1708 – 1774). Die Tafeln sind 1938 geweiht, also wohl damals auch erworben worden.

Fenster St. Wendelin links
Fenster St. Wendelin mitte
Fenster St. Wendelin rechts

Weitere Ausstattung

Holzfiguren, Leuchter und Votivgaben gestalten das Innere des Kirchleins zu einem ansprechenden schlichten, doch stimmungsvollem Ganzen. Neben der hochwertigen Innenausstattung der St. Wolfgang- und Wendelinkapelle sind besonders die Glasfenster mit den Rosenkranzgeheimnissen (Prof. Josef Oberberger, 1936) hervorzuheben.

 

Unsere Kirchenpatrone

Sankt Wolfgang

Wolfgang, einer der volkstümlichsten Heiligen in Deutschland, wurde 924 in einem angesehenen, aber armen Elternhaus in Pfullingen bei Reutlingen geboren. Erzogen wurde er in der Klosterschule auf der Bodensee-Insel Reichenau. Als Wolfgangs Studienfreund Heinrich im Jahr 956 Erzbischof von Trier wurde, folgte ihm Wolfgang und wirkte dort als Domscholaster und Domdekan. Dann entschied sich Wolfgang für ein anderes Leben. Er ging nach Einsiedeln in der Schweiz und legte im dortigen Benediktinerkloster die Gelübde ab. Vier Jahre später empfing er von Bischof Ulrich von Augsburg die Priesterweihe. Kurz darauf verließ Wolfgang Einsiedeln, um in Österreich und Ungarn zu missionieren. Die Ungarnmission dauerte nicht lange, denn der Passauer Bischof rief ihn zurück und fädelte es schließlich geschickt ein, dass sich Wolfgang einverstanden erklärte, im Jahre 972 das Bistum Regensburg zu übernehmen. Als Bischof von Regensburg entwickelte er eine segensreiche Tätigkeit. Er reformierte die bestehenden Klöster, gründete neue Stifte, vertiefte die Religiösität im Volk und kümmerte sich um die Armen und Kranken. Als sich Herzog Heinrich der Zänker gegen König Otto II. erhob, musste sich Wolfgang nach Mondsee zurückziehen. Dieser Aufenthalt bildet wohl den historischen Kern einer Legende, wonach Wolfgang ein Einsiedlerleben am Abersee, dem heutigen Wolfgangsee, geführt habe. Um eine Kapelle zu errichten, soll er einen Wald gerodet haben; als ein Helfer großen Durst hatte, soll Wolfgang auf der Stelle eine Quelle aufgetan haben, deren Wasser später als heilkräftig gerühmt und von Pilgern mit nach Hause genommen wurde. Während einer Reise durch Oberösterreich starb Wolfgang am 31. Oktober 994 im Alter von 70 Jahren in Pupping. Beigesetzt wurde der Regensburger Bischof im Kloster St. Emmeran in Regensburg. Papst Leo IX. erhob die Gebeine des Bischofs am 7. Oktober 1052.
 
Sankt Wendelin
Die Lebensgeschichte Wendelins beruht zum größten Teil auf Legenden. Danach war er ein schottischer Königssohn und kam um das Jahr 550 zur Welt. Er verzichtete auf den Thron und durchwanderte dann viele Länder, bis er sich als Einsiedler in den Vogesen niederließ. Um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, übernahm Wendelin Hirtendienste bei einem Adligen. Deshalb wird er mit einem jungen Schaf, mit Stab und Wasserbehälter dargestellt. Bei dieser Arbeit fand er Zeit zum Gebet, ohne aber die Sorge für seine Tiere zu vernachlässigen. Später wurde er von Mönchen zum Abt des Klosters Tholey (an der Saar) gewählt, in dem er im Jahr 617 auch gestorben ist. Aus der Begräbnisstätte entwickelte sich bald eine berühmte Wallfahrtsstätte. Nach und nach entstand aus dem Pilgerort die Stadt St. Wendel an der Saar:
 Gott, Du erleuchtest die Herzen der Menschen. 
Lass mich meine Aufgabe in diesem Leben erkennen
und erfüllen, aber so, dass ich das Ziel meines Lebens, 
Dich, nicht aus dem Auge verliere. Amen.

Nähere Informationen über St. Wolfgang und Wendelin können Sie unserem Kirchenführer entnehmen, den Sie für € 4,00 im Pfarrbüro erwerben können.